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Geschrieben von Anne Schneider   
Mittwoch, 27. Januar 2010

Tiefsinnige Uhren

Manchmal kommt man einfach nicht drum herum, sich zu fragen, was Werbefachleute von uns Kunden halten. Ein Beispiel ist etwa die Darstellung der Taucheruhren von Chris Benz. Dabei soll die Qualität der Produkte überhaupt nicht in Frage gestellt werden. Einzig allein der Internetauftritt wirft schon einige Fragen auf. Allerdings muss auch erwähnt werden, dass man den Eindruck gewinnen könnte, dass mehrere Uhrenhersteller beim gleichen Webdesigner unter Vertrag stehen. Auffällig ist beispielsweise die exorbitante graphische Darstellung, die faszinierend und lähmend zugleich ist. Faszinierend ist die Animation, die zugleich Grafikkarte und Arbeitsspeicher herausfordern. Gut, man kann ja auch von Kunden, die 1000 Euro für eine Uhr ausgeben, weil sie nützlich oder schön ist, erwarten, nicht nur einen leistungsfähigen PC ihr eigen zu nennen, sondern auch sich voll und ganz auf diese Homepage zu konzentrieren. Wer nebenbei noch die Auktion eines seit Jahren gesuchten Spielzeugartikels verfolgt, ist eben als Kunde nicht aufmerksam genug.
Lobenswert ist, dass Chris Benz auf die Gefahren der Tiefsee hinweist. Nun sind 200 m rein geologisch noch nicht die Welt, für ungeübte Taucher aber schon ein Wort. Dort finden sich - laut Benz-Homepage - Killerwale, Barracudas und Allrounder aus der Kollektion. Ein solcher Chronograph begeistert durch das massive Edelstahlgehäuse mit verschraubtem Boden. Dies erinnert einen an die einfachste Uhrbauweise, allerdings weist Benz auf die Besonderheit Marine hin, die weitgehend ungeklärt bleibt. Was heißt Marine? Wurde der Stahl bei der Marine hergestellt oder entwendet? Weiterhin deutet der gravierte Gehäusebodendeckel (welch ein Wort) auf die Leistungsfähigkeit der Taucheruhr hin! Etwas unlogisch erscheint der Wert der Maximaltiefe von 200 m (20 bar wasserdicht), wo doch der Tiefenmesser nur bis 50 m reicht.
Ob man allerdings eine Uhr braucht, die bis 1000 m Tiefe wasserdicht ist, sei dahingestellt. Der normale Sporttaucher begrenzt sich, wenn er vernünftig ist, auf Tiefen bis etwa 50, vielleicht 60 oder 70 m. Extremsportler haben sogar über 200 m geschafft. Aber der Smalltalk mit Walen auf einer Tiefe von 1000 m könnte doch sehr ungesund sein, auch wenn Wale in der Regel sehr friedliebende Tiere sind. Das Wasser ist es hier nicht mehr. Die Haltbarkeit bis zu einem Druck von 100 bar mag technisch interessant sein, ist aber für 99 Prozent der Chris Benz Kundschaft wohl so wichtig wie die Beschleunigungswerte von viersitzigen Ferraris zwischen 250 und 350 km/h.
www.armbanduhren-welt.de